DU GEHÖRST MIR

 

Weil ich durch sämtliche Fasern deines Körpers krieche. Seit Urzeiten dort eingepflanzt – ob du es wahrhaben willst oder nicht. Herrscherin über den Rest deiner Gefühle, sobald ich entflamme.
Neid und Eifersucht nenne ich meine Verbündeten. Sie gedeihen in meinem Schatten wie ich in dem ihren. Die Liebe kann ich nur belächeln. Ein Tropfen meiner Essenz - und ihre Unschuld ist auf ewig vergiftet. Ich bin dem Zorn überlegen, der blind wütet, wo ich mit eiserner Hand meine Ziele verfolge. Beständiger als Trauer, deren Macht sich dem Lauf der Dinge unterwirft. Stärker als jedes Aufblitzen von Furcht. Selbst ihr drängendstes Flüstern vermag mich nicht zu halten.

 

UND ICH GEHÖRE DIR

 

Weil mich allein dein hämmernder Herzschlag am Leben erhält. Mich sprießen lässt, antreibt und führt.
Eingebettet in den Fluss deines Atems warte ich auf mein Erwachen. Mal geduldig, mal fordernd. Nähre mich von deinen Träumen und Visionen. Speise mich aus deiner Sehnsucht, deinen Trieben und Wünschen.
Ohne dich bin ich nichts.
Denn du wärmst mich mit deiner Haut. Schenkst meinem Begehren Bedeutung durch klangvolle Worte. Leihst mir Zunge und Augen - die Freuden der Welt zu erfahren. Badend in einem Meer aus Düften. Lockst mich an die Oberfläche und stillst meinen Hunger mit deinem Verlangen.

 

WIR GEHÖREN ZUSAMMEN
– DAS WISSEN WIR BEIDE

 
 
(Erschienen in der Anthologie »Anthology der Gier«, michason & may Verlag 2010)
 

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